Wenn wir mit einer Verwaltung sprechen, die Karthago einsetzt, kommt diese Frage meist innerhalb der ersten zehn Minuten: Und wie kommt die Rechnung am Ende in mein Karthago?
Die Frage ist berechtigt, denn hier entscheidet sich, ob eine DMS-Einführung Arbeit spart oder Arbeit verdoppelt. Wenn die Buchhaltung den Beleg am Ende doch abtippt, war der ganze Aufwand davor umsonst. Dieser Artikel beschreibt, was zwischen den beiden Systemen tatsächlich passiert.
Anbindung heißt: drei Datenflüsse, nicht einer
Die meisten Anbieter reden von „der Schnittstelle”, als gäbe es eine Leitung. Tatsächlich sind es drei Wege, die zu unterschiedlichen Zeiten laufen und unterschiedlich kaputtgehen können.
- 1
Stammdaten von Karthago nach DocuWare
Sachkonten, Kreditor-Bankverbindungen und Umsatzsteuerschlüssel wandern regelmäßig aus Karthago in DocuWare. Ohne sie kann niemand kontieren.
- 2
Prüfung gegen Karthago, bevor freigegeben wird
Bevor der Beleg das Haus verlässt, wird gegen den Karthago-Bestand geprüft. Existiert das Objekt? Passt die Bankverbindung des Kreditors? Ist das Konto gültig?
- 3
Beleg und Buchungssatz von DocuWare nach Karthago
Nach der letzten Freigabe gehen Buchungsdaten und Beleg-PDF an Karthago. Aus DocuWare-Sicht ist die Rechnung damit erledigt.
Wer nur den dritten Weg baut, bekommt ein System, in dem Sachbearbeiter Kontonummern aus einem zweiten Bildschirm abschreiben und die Hälfte der Belege im Fehlerordner landet. Die ersten beiden Wege sind der Grund, warum es überhaupt funktioniert.
Fluss 1: Stammdaten kommen aus Karthago
Karthago besitzt den Kontenrahmen, die Kreditoren mit ihren Bankverbindungen und die Umsatzsteuerschlüssel. Das ist keine Meinung, sondern eine Entscheidung, die man einmal trifft und dann durchhält: ein Feld, ein Besitzer. Wer Sachkonten an zwei Stellen pflegt, hat nach drei Monaten zwei Wahrheiten.
Der Abgleich läuft bei uns zweistufig. Nachts ein vollständiger Lauf, tagsüber im Fünf-Minuten-Takt ein gefilterter Lauf über das, was sich geändert hat. Aus Anwendersicht heißt das: Ein neu angelegtes Sachkonto steht wenige Minuten später in der Auswahlliste des Sachbearbeiters.
Zwei Details, die in der Praxis mehr Ärger machen als alles andere:
Bankverbindungen kommen in zwei Schreibweisen. IBANs werden mal mit, mal ohne Leerzeichen erfasst. Wir legen bewusst beide Varianten ab, weil die automatische Zuordnung eines Kreditors über die IBAN läuft und ein Leerzeichen sonst darüber entscheidet, ob eine Rechnung ihren Lieferanten findet.
Anzeigenamen brauchen ein festes Format. Ein Sachkonto erscheint in DocuWare als Nummer - Bezeichnung. Wird ein Konto in Karthago umbenannt, muss diese Anzeigeform überall nachgezogen werden, wo sie schon in Dokumenten steht. Genau deshalb komponieren wir sie selbst, statt sie DocuWare-Automatismen zu überlassen. Wie dieses Muster im Detail aussieht, steht im Artikel über durchsuchbare Tabellenfelder.
Fluss 2: Geprüft wird vorher, nicht hinterher
Das ist der Teil, den die meisten unterschätzen. Ein Beleg, der in Karthago abgewiesen wird, ist teurer als einer, der gar nicht erst losgeschickt wird. Denn im Fehlerfall sitzt das Problem in einem Importordner, den niemand beobachtet, während die Rechnung in DocuWare als erledigt gilt.
Deshalb prüfen wir vor der Freigabe gegen den Karthago-Bestand. Die Regeln sind pro Kunde zuschaltbar, weil nicht jede Verwaltung dieselben Anforderungen hat. Die wichtigsten:
- Existiert das Objekt in Karthago, und ist es im gebuchten Wirtschaftsjahr gültig?
- Existiert der Kreditor, und ist die auf der Rechnung erkannte IBAN dort hinterlegt?
- Sind die kontierten Sachkonten im betreffenden Mandanten gültig?
- Ist die Rechnung rechnerisch stimmig, also Brutto größer Netto, Summe der Positionen gleich Rechnungsbetrag, Skontoangaben konsistent?
Gefundene Fehler landen als Tabelle am Beleg und als Stempel auf dem Dokument. Der Sachbearbeiter sieht also im Beleg selbst, was fehlt, und muss nicht raten.
Fluss 3: Der Beleg geht nach Karthago
Nach der letzten Freigabe passiert Folgendes. Der Beleg wird gelesen und noch einmal validiert. Aus den Kontierungszeilen entsteht der Buchungssatz, aus dem Dokument ein Sichtbeleg als PDF. Beides wird in den Importordner des jeweiligen Mandanten gelegt.
Karthago beobachtet diesen Ordner selbst und holt sich, was dort liegt. Erfolgreich übernommene Belege und erkannte Dubletten werden in Unterordner verschoben, sodass jederzeit nachvollziehbar ist, was passiert ist. Der Rechnungsstatus in DocuWare wandert dabei von „Vorbereitung Karthago Export” auf „Zu Karthago exportiert” oder, wenn etwas schiefgeht, auf „Export zu Karthago fehlgeschlagen”.
Ein Sonderfall verdient Erwähnung, weil er in der Hausverwaltung häufig ist: die Weiterbelastung. Wenn eine Kontierungszeile einem Mietverhältnis oder Eigentumsverhältnis zugeordnet ist, muss dieser Bezug bis in den Buchungssatz durchgereicht werden. Wir lösen die Zeile deshalb gegen den Vertragsbestand auf und führen dabei einen zweiten, formatunabhängigen Schlüssel mit. Der Grund ist Erfahrung: Anzeigenamen ändern sich, IDs nicht.
Der Kontierungsstempel
Bevor der Beleg geht, bekommt er einen Stempel mit den Kontierungszeilen, den Beträgen, dem Prüfer und dem Datum. Das ist kein Schmuck. Es ist der Grund, warum ein Prüfer Jahre später am PDF allein erkennen kann, wer was warum gebucht hat, ohne dass er Zugriff auf Workflow-Protokolle braucht.
Technisch ist das unauffälliger, als es klingt: Für die variable Zeilenzahl liegt ein Vorrat gleichartiger Stempel bereit, und der Dienst wählt den passenden. Läuft ein Beleg ein zweites Mal durch die Prüfung, wird ein Änderungsstempel gesetzt statt eines identischen zweiten.
Was die Anbindung technisch voraussetzt
Karthago läuft in aller Regel im Haus der Verwaltung oder bei deren IT-Dienstleister, nicht in der Cloud. Eine Anbindung braucht deshalb einen Weg vom Integrationsdienst zu diesem Server. Bei uns übernimmt das eine kleine Komponente auf dem Kundenserver, die eine ausgehende Verbindung aufbaut. Es wird also keine Firewall geöffnet und kein Port nach außen freigegeben.
Zwei Konsequenzen daraus, die Sie kennen sollten, weil sie Terminfragen beeinflussen:
Die Anbindung braucht einen Ansprechpartner auf IT-Seite für die Erstinstallation, und sei es nur für eine Stunde. Wer keinen IT-Dienstleister hat, sollte das früh sagen.
Und Karthago-Abfragen laufen streng nacheinander, nicht parallel. Ein voller Stammdatenabgleich über viele Mandanten braucht deshalb Zeit. Das ist der Grund, warum der große Lauf nachts liegt.
Wo es in der Praxis klemmt
Auffällig ist, dass drei der vier Punkte keine technischen Probleme sind. Es sind Datenqualitätsprobleme, die vorher unsichtbar waren, weil ein Mensch sie beim Buchen stillschweigend korrigiert hat. Eine Automatisierung deckt sie auf. Das fühlt sich in den ersten Wochen wie eine Verschlechterung an und ist das Gegenteil davon.
Was die Anbindung nicht kann
Sie holt keine Buchungen aus Karthago zurück nach DocuWare. Der Belegweg ist einseitig, und das ist Absicht: Karthago führt die Buchhaltung, DocuWare führt das Dokument.
Sie ersetzt keine Kontierung. Vorschläge aus wiederkehrenden Belegen nehmen viel Arbeit ab, die Entscheidung trifft weiterhin ein Mensch.
Und sie repariert keine Stammdaten. Was in Karthago falsch steht, steht danach auch in DocuWare falsch, nur schneller.
Kurz gefasst
- ✓ Eine Karthago-Anbindung besteht aus drei Datenflüssen, nicht aus einer Schnittstelle.
- ✓ Sachkonten, Kreditor-Bankverbindungen und Steuerschlüssel gehören Karthago. DocuWare übernimmt sie, pflegt sie aber nicht.
- ✓ Geprüft wird vor der Freigabe. Ein Beleg, der im Importordner scheitert, kostet ein Vielfaches.
- ✓ Die häufigsten Fehler sind Datenqualitätsprobleme, keine technischen Probleme. Räumen Sie die Kreditoren vor dem Projektstart auf.
- ✓ Der Belegweg ist einseitig. Karthago führt die Buchhaltung, DocuWare führt das Dokument.
Was das für Ihre Entscheidung heißt
Wenn Sie Karthago einsetzen und über ein DMS nachdenken, ist die entscheidende Frage nicht, ob eine Anbindung möglich ist. Sie ist möglich. Die entscheidende Frage ist, wie sauber Ihre Kreditoren und Objekte gepflegt sind, denn davon hängt ab, ob Sie nach acht Wochen 90 Prozent der Belege durchlaufen sehen oder 60.
Diese Einschätzung können wir Ihnen in einem Gespräch ziemlich schnell geben. Sie brauchen dafür keine Vorbereitung, nur die Bereitschaft, ehrlich über den Zustand Ihrer Stammdaten zu reden.
Wie eine Rechnung vor dieser Übergabe durch das Haus läuft, beschreibt der Überblick Der Weg einer Rechnung durch die Hausverwaltung. Was die Anbindung insgesamt umfasst — Stammdaten-Sync, Belegübergabe, Rückmeldungen — fasst die Seite Aareon Karthago × Liegenwerk zusammen, den Freigabe-Workflow davor der Rechnungseingang.